Archive Interviews Online Travis: The Boy With No Name

travisTravis:
The Boy With No Name

out 04.05.02007
Ism/SonyBMG

Wie sieht es um die Qualität des songwritings aus?

Andy: Das war doch schon immer so. Es gab gute und schlechte Bands. Es ist einfach, zurückzublicken und zu behaupten, dass es in den 70ern viel besser war und es zu der Zeit zehn tolle Bands gab. Aber tatsächlich gab es auch damals tausende von Bands, die nur keinen interessierten, die es nicht über die Zeit hinweg zu einem großen Bekanntheitsgrad geschafft haben. Die, die großartig waren, blieben ganz oben, die anderen werden einfach vergessen.
Wir machen es uns zu einfach wenn wir sagen, es gibt so viel schlechte Musik im Moment. In Zehn Jahren wirst du mehr als die hälfte der heutigen Gruppen vergessen haben. Wenn ich mich an die 80er zurückerinnere, da hat mir so viel gefallen. Heute kann ich mich gar nicht mehr an all die Namen erinnern.

Können Sie sich an die Edinburgher Goodbye Mr. Mackanzie erinnern?

Andy: Oh ja, das war einer der ersten Gigs, zu denen ich gegangen bin. Da sang doch Shirley Manson die backing vocals. Sie ist heute die Leadsängerin von der US Band Garbage. Wir haben sie auf verschiedenen Festivals getroffen. Aber die anderen Mitglieder haben wir nie kennen gelernt. Travis haben zweimal den Brit Award gewonnen.

Hat das Euer Leben verändert?

Andy: Nein, wirklich nicht. Was sollte es verändern? Wir haben einfach weitergemacht wie immer. Es ist schon nett, so einen Preis zu gewinnen, es freut einen. Aber es ist nicht so, dass man sagen könnte, hey wir haben jetzt diese Auszeichnung bekommen und können uns jetzt zurücklehnen und nichts mehr tun.

Es heißt, ohne Travis hätte es niemals Bands wie Coldplay gegeben. Wie stehen Sie dazu?

Andy: Vielleicht ist das ja wirklich so, ich weiß nicht. Wir waren die Wegbereiter. Das klingt sehr lustig. Aber ist es nicht so, dass es ohne gewisse Gruppen auch keine Travis oder Radiohead gegeben hätte? Ohne die Stone Roses hätte es keine Oasis gegeben und so weiter. Das kann man zurückverfolgen bis ins Unendliche. Musik entwickelt sich und kehrt immer wieder.

Können Sie mir ein bisschen mehr von dem Song „eyes wide open“ erzählen?

Andy: Frannie war mit der Idee und einem Thema angekommen. Wir haben uns dreimal im Studio getroffen und immer wieder daran gearbeitet. Es war kein leichter Song. Durch ihn kamen wir aber zu „selfish Jean“ und er brachte uns auch bei anderen Songs weiter. Wir wollten ein bisschen was von The Cure abkupfern. Kennen Sie den Song „the forest“ von The Cure? Wir wollten diese Drums haben.

Worüber geht’s in „battleship?

Andy: Wieder geht es um Beziehungen, um „relationships“. „Battleships“ ist einfach ein anderer Name dafür. Es geht darum, was manchmal in Beziehungen passiert. Es wird gestritten und gelogen.

Fran unterstützt eine Organisation, die sich „Make-Poverty-History“, Armut soll Geschichte werden, nennt. Was tut er für sie?

Andy: Er unterstützt sie auf Veranstaltungen. Die Organisation ist vergleichbar mit „Live Aid“. Wir haben in London ein paar Mal für sie Konzerte gegeben. Sie wollen einfach nur auf Armut aufmerksam machen und versuchen sie zu mindern. Es gibt tatsächlich die Möglichkeit. Live Aid hat es vorgemacht. Musiker können dazu ihren Teil beitragen, dazu, dass es weniger Armut auf der Welt geben wird.

Würden Sie das Land, in dem Sie leben und das zurzeit in einen Krieg verwickelt ist, kritisieren?

Andy: Wir sind keine politische Band. Wenn einen von uns was stört, dann ist das seine persönliche Angelegenheit. Aber der Krieg hat uns alle angeödet. Wir waren an einem Friedensmarsch in Glasgow beteiligt, weil wir dagegen sind. Es waren tausende von Menschen dabei, sowohl in Glasgow als auch in London. Inwieweit diese Leute politisch sind, kann ich nicht beurteilen. Ich denke, jeder von ihnen und von uns hat mitgemacht, weil es für uns eine Herzensangelegenheit war, keine Kopfsache. Wir wollten alle zusammen die Bremse reinhauen. Wir waren wütend und wir haben versucht etwas gegen den Krieg zu tun, ohne wirklich involviert zu sein. Aber wissen sie was? Es hat überhaupt nichts gebracht.

„New Amsterdam“ ist ein Song über New York. Was ist für Sie der Unterschied zwischen Glasgow, London und New York?

Andy: Frannie hat eine Weile in New York gelebt und so ist der Song vor allem durch ihn inspiriert. Als Teenager war es einfach für uns, Glasgow und seine Vorzüge als selbstverständlich hinzunehmen, weil wir dort aufgewachsen sind. Wir leben inzwischen seit über zehn Jahre in London und erkennen nun warum Glasgow eine so schöne Stadt ist. Wenn man in einer Stadt lebt, vergisst man das oft. Die Leute machen Glasgow aus. Sie sind warmherzig, lustig und ehrlich. Ich würde vielleicht sogar wieder dort leben wollen. Das dumme ist nur, dass die Plattenindustrie in London ist. Das macht dort alles viel einfacher für uns. London ist deshalb so großartig, weil die Leute hier her kommen um etwas zu schaffen. Wenn Du einen Traum hast, dann gehst du nach London, denn da kannst du ihn verwirklichen.

Warum gehen Menschen nach New York?

Andy: Weil es eine unglaubliche Stadt ist. Durch unsere Musik sind wir in der glücklichen Lage reisen zu können und viele unterschiedliche Orte zu sehen. Da passiert es manchmal, dass man in eine Stadt kommt und denkt: oh nein, nicht schon wieder hier. Wenn ich nach New York komme, ist es jedes Mal anders und aufregend. Diese Stadt scheint niemals öde zu werden. Immer wieder passiert es mir, dass ich denke, ich bin zum ersten Mal da. Trotzdem, ich liebe London, denn ich lebe hier und ich liebe alles, was mir diese Stadt gegeben und mir zu bieten hat. Ich liebe auch Glasgow, denn meine Familie und auch viele Freunde von mir leben dort.

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