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MUSÉE MÉCANIQUE
Surreale Schönheit

von Michael Fuchs-Gamböck  

An dieser Stelle muss unbedingt einmal die Lanze für A-ha-Frontmann Morten Harket gebrochen werden: Es gibt kaum eine Stimme in der Pop-Branche, welche eindringlicher die menschliche Suche nach Weite und purer Schönheit sowie die Angst vor Verlorenheit verkörpert.

Hat so etwas mit Teeny-Gekreische zu tun? Na eben! Findet auch Sean Ogilvie, einer der zwei Sänger des Quartetts Musée Mécanique aus Portland, Oregon, der ein großer Bewunderer des Norwegers ist. Wer Sean je singen gehört hat, der weiß, warum - sein Organ klingt nahezu identisch wie das von Harket in all ihrer Sehnsüchtigkeit.

"Gerde die langsamen Stücke von A-ha fand ich immer sehr beeindruckend", erzählt Sean, wie der Rest seiner Gruppe Mitte 20, "aber hauptsächlich beeinflusst wurden wir von Bands wie Kings Of Convenience, Grandaddy oder dem American Music Club. Wir mögen zwar Amerikaner sein, doch mit der rauen Schlurfigkeit von "Americana" haben wir - ähnlich wie die eben genannten Vorbilder - nur bedingt zu tun. Ich würde unseren Sound eher als "ätherischen Pop" definieren."

Tatsächlich lebt das Debütalbum "Hold This Ghost" des bereits 1996 (!) gegründeten Vierers von einer Art unweltlicher Schönheit, es sind mehr Klangbilder als straffe Songstrukturen darauf zu finden. "Das liegt wohl daran", meint Ogilvie, "dass wir unser Album analog aufgenommen haben und auch mal exotische Instrumente wie eine singende Säge oder ein Akkordeon verwenden. So etwas verleiht dem Geschehen auf der Platte eine sehr warme, aber auch merkwürdige Atmosphäre."

Die Verzückung für alles, was retro ist, drückt sich gleichfalls in der Tatsache aus, dass "Hold This Ghost" auch als Vinyl-Version erschienen ist - und sie zeigt sich im Bandnamen. Denn das Museum, von dem das Quartett seinen Namen geborgt hat, steht am nördlichsten Zipfel von San Francisco. Es beherbergt uralte, mechanisch betriebene Musikinstrumente und Glücksspielgeräte. "Alle etwas ranzig", bekennt Sean lachend, "doch alle voll mit Historie, mit Leben. Und das ist es doch, was unser Dasein ausmacht - dass wir am Ende unseres Weges auf Erden in der Erinnerung unserer Lieben mit einer Geschichte und Einzigartigkeit zurückbleiben. Genau darum geht es auch in unserer Musik."

Ogilvie verwendet liebend gerne anachronistische und dabei verzaubert klingende Umschreibungen wie "surreale Schönheit" oder "gemütliche Zeitreise", wenn er die Musik seines Vierers definieren soll. "Liegt daran", murmelt er, "dass wir uns in der Realität nicht allzu wohl fühlen, die stetig banaler wird." Immerhin: Solange es junge Bands wie Musée Mécanique gibt, hat uns die Banalität noch nicht endgültig überrollt.


Album: Hold This Ghost
out: 29.01.2010

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