James Taylor:
Covers
out 30.09.2008
Concord/Uni
Vertraut und neu zugleich
By Michael Fuchs-Gamböck
Die lebende amerikanische Singer/Songwriter-Legende James Taylor hat mit dem neuen Album "Covers" einen lange gehegten Traum realisiert: Eine Platte produziert, die ihrem Namen alle Ehre bereitet und lediglich aus nachgespielten Liedern besteht. Wobei "nachgespielt" in diesem Zusammenhang der falsche Ausdruck ist, denn wenn der 60-jährige Barde aus Boston/Massachusetts mit seinem unnachahmlichem, sehnsüchtig-flehendem Organ bereits bekannt Geglaubtes intoniert, entsteht letztendlich immer ein James Taylor-Song.
FRAGE: Mr. Taylor, sind Sie ein fauler Mensch, weil auf ihrer neuen CD ausschließlich Stücke anderer Künstler zu finden sind?
TAYLOR (lacht): Ich hoffe nicht! Wahr ist allerdings, dass ich seit jeher unglaublich lange brauche, um eine Platte mit eigenen Liedern fertig zu stellen. Außerdem habe ich zwei kleine Kinder, die in meinem Lebensplan momentan ziemlich viel Zeit in Anspruch nehmen, auf der anderen Seite war ich total heiß darauf, eine Platte aufzunehmen. So entstand der Kompromiss mit den Coverversionen. Wobei ich diese Scheibe schon seit langer Zeit in Angriff nehmen wollte.
FRAGE: Die Auswahl der Stücke darauf reicht von "erwartungsgemäß" bis "überraschend" - neben Tracks von den Drifters oder Buddy Holly gibt's auch Kost von Leonard Cohen oder Tom Waits und Sie trauen sich sogar an den Elvis-Klassiker "Hound Dog" ran. Wie kam diese ungewöhnliche Auswahl zustande?
TAYLOR: Dafür ist die Band zuständig, mit der ich momentan live unterwegs bin, allesamt Vollprofis, die ich teilweise seit Jahrzehnten kenne. Deren Einsatz auf der Bühne basiert viel auf Improvisation. Immer wieder spielen sie dort, ohne mir vorher Bescheid zu geben, jedermann bekannte Evergreens an und ich muss dann spontan dazu singen. Das funktioniert meistens prima! Und die Songs, die beim Publikum am Besten ankommen, haben wir jetzt im Studio aufgenommen.
FRAGE: Finden Sie es nicht ein bisschen schäbig und berechnend, eine Platte nur mit Bewährtem unter Ihrem Namen vorzulegen?
TAYLOR: So einfach habe ich es mir nicht gemacht! Ich bin selbstbewusst genug, um zu behaupten, dass ich fremden Liedern meinen eigenen Stempel aufdrücken kann. Ich vergewaltige keine Stücke. Stattdessen interpretiere ich sie - mit viel Respekt - auf meine ureigene Weise.
FRAGE: Angeblich haben Sie lediglich zehn Tage im Studio verbracht, um "Covers" aufzunehmen, stimmt das?
TAYLOR: Das ist richtig, ja! Mit Geiz hat dieser Umstand übrigens nichts zu tun, stattdessen mit der Prämisse meines Produzenten Steve Gadd, der mir nicht mehr Zeit dafür opfern wollte. Er meinte: "Wenn du das Ding nicht in einem Rutsch an zehn Tagen aufnimmst, wird daraus nie etwas! Du bist ein verdammter Perfektionist, doch bei diesem Projekt hat Perfektionismus nichts verloren. Das Ding muss locker und entspannt swingen, es muss daher kommen, als hättet ihr es live und im Studio in einem Rutsch eingespielt." Unter dieser Vorgabe nahmen wir 20 Lieder auf, im Durchschnitt täglich zwei. Für "Covers" war das in der Tat die einzig richtige Herangehensweise.
FRAGE: Wird es unabhängig von dieser Platte irgendwann mal wieder eine CD mit hauptsächlich Eigenkompositionen geben?
TAYLOR: Unbedingt! Einiges Material dafür habe ich schon komponiert. Nur, wie erwähnt, bin ich ein äußerst langsamer Arbeiter in Eigenregie. (lacht) Versprechungen über einen Veröffentlichungstermin mache ich also lieber keine. Momentan bin ich eh fast ausschließlich mit den Vorbereitungen zu meiner Tournee beschäftigt...
FAGE:... die Sie im Mai und Juni auch nach Europa führen wird, richtig?
TAYLOR: Genau, und darauf freue ich mich ungemein! Vor allem deshalb, weil beinahe die komplette Band bei allen Auftritten dabei sein wird, obwohl das allesamt viel beschäftigte Musiker sind. Wenn alles gut geht, werden wir die Reise von den USA nach Europa auf einem Schiff zurücklegen. Um uns auf die Konzerte bei euch einzustimmen, werden wir vermutlich sogar jeden Abend an Bord ein Set spielen. Heissa, das klingt nach einem verlockenden Abenteuer! Ich bin schon jetzt richtig scharf darauf...
FRAGE: Apropos USA: Sie haben den demokratischen Kandidaten Barack Obama vehement im Wahlkampf unterstützt. Ich nehme mal an, dass Sie jetzt äußerst erleichtert sind, dass Obama sein Ziel erreicht und zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gekürt wurde, nicht wahr?
TAYLOR: Es ist ein herrliches Gefühl, wenn man sich nicht mehr - wie ich in den letzten acht Jahren - für sein eigenes Land, das man sehr liebt, schämen muss. Seit der Abwahl von Bush bin ich wieder rundum stolz auf meine Heimat. Wobei: Wenn es diesen Verrückten, der unsere Nation in vielerlei Hinsicht kaputt gemacht und gespalten hat, nicht gegeben hätte, wäre Amerika vielleicht gar nicht reif gewesen für einen liberalen, schwarzen Präsidenten. Wie auch immer: Für mich beginnt der eigentliche Millennium Wechsel, der Blick in eine optimistische Zukunft, am 20. Januar 2009, wenn Barack Obama ins Weiße Haus einziehen wird.
FRAGE: Ein amerikanisches Magazin hat Sie mal den „Sänger mit den weisen Texten“ genannt. Haben Sie im Laufe Ihrer inzwischen vier Jahrzehnte dauernden Karriere eine gewisse Weisheit erlangt – oder wissen Sie umso weniger, je mehr Erfahrungen Sie sammeln?
TAYLOR: Ich bin kein weiser Mann. Meine Lieder sind lediglich die in Töne verpackten Geschichten eines einfachen Kerls, der gerne mit der Welt plaudert. Es bereitet mir, selbst nach den vielen Jahren im Business, ordentlich Spaß, zu komponieren, vor allem auf meiner geliebten Gitarre, und mit der Menschheit zu kommunizieren. Richtig: Ich bin ein – melancholischer – Entertainer!
FRAGE: Sie haben Piano und einige Instrumente mehr in ihrer Kindheit und Jugend gelernt. Warum sind Sie letztlich bei der Gitarre hängen geblieben? TAYLOR: Die Tatsache, dass man sie überallhin mitnehmen kann. (lacht) Dadurch wird die Klampfe zu einem sehr demokratischen Instrument! Aber ernsthaft: Obwohl ich Frau und Kinder habe, bin ich zumindest innerlich immer on ‚the road’. Ich bin ein Durchreisender in Sachen Leben.
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