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Wishbone Ash:
Argus - Then Again - Live

out 04.11.2008
Talking El/Fenn Music Service

40 Jahre Gitarrenduell
By Michael Fuchs-Gamböck

Dass Wishbone Ash einen Platz im Rock-Olymp sicher haben, dafür gibt es exakt zwei Gründe: zwei Gitarren. Klar, es ist alles andere als ungewöhnlich, dass in einer vierköpfigen Rock-Band zwei Menschen mit Klampfe zugegen sind. Allerdings gab es vor Wishbone Ash keine Formation, bei der zwei Gitarren unisono gespielt wurden, was den einzigartigen Sound des Londoner Quartetts auszeichnet.

Wie es 1969, im Gründungsjahr von Wishbone Ash, zu dieser bis dato ungehörten Klang-Konstellation kam, daran erinnert sich das einzig verbliebene Ur-Mitglied der Gruppe, Andy Powell, exakt 40 Jahre später lachend: "Ein Unfall", feixt der heute 59-jährige Sänger und - natürlich! - Gitarrist, "denn die Gründerväter Martin (Turner; Bassist) und Steve (Upton; Schlagzeuger) suchten zur Vervollständigung des Line-Ups eigentlich einen Mann an der Sechssaitigen sowie einen Keyboarder. Doch als sie Ted (Turner; nicht verwandt mit Martin) und mich beim Vorspielen hörten, konnten sie sich für keinen von uns beiden entscheiden. Also meinten sie kurzerhand: "Wer braucht schon einen Keyboarder, wenn er zwei so phänomenale Gitarristen kriegen kann?" Tja, so kam es zum "dual lead-guitar sound", eigentlich simpel und dennoch revolutionär."

Zu Beginn war es nicht einfach, zwei gleichberechtigte Gitarristen in einer Gruppe zu haben, erinnert sich Powell, der seit etlichen Jahren mit Frau und drei inzwischen erwachsenen Söhnen im US-Bundesstaat Connecticut auf einer Farm lebt, zurück, "denn Ted und ich, wir waren beide 19 Jahre alt, heißblütige Jungspunde und mit einem Ego bis zum Platzen gefüllt. Wir wollten zunächst keine Emanzipation untereinander - doch weil wir nach kurzer Zeit dicke Freunde wurden, haben wir rasch die Chance erkannt, die permanent ausgetragene Gitarrenduelle unter innovativem Aspekt bieten."

So kam es zum inzwischen legendären Wishbone Ash-Klang, der kernigen Rock, verträumten Folk, balladenhaften Gesang und traumhafte Dynamik miteinander vermengte. Das erkannte auch ein breites Publikum an, das den innovativen Vierer bereits seit seinem namenlosen Debütalbum aus dem Jahr 1970 mit offenen Armen aufnahm. Es folgten vier wegweisende Jahre für das englische Quartett, kommerziell wie kreativ: Die nachfolgenden Scheiben "Pilgrimage", "Argus", "Wishbone Four" und der Live-Doppeldecker "Live Dates" katapultierten die Gruppe in die Charts und verschafften ihm den Stellenwert einer der wichtigsten europäischen Rock-Formationen ihrer Zeit, die sich diesen Status vor allem als Live-Ereignis verdiente. 1974 allerdings wurde die Band erstmalig - und im Laufe der Zeit immer wieder - umbesetzt, was ihr gar nicht gut tat. Wishbone Ash mutierte mehr und mehr zu einer konventionellen und damit austauschbaren Heavy Rock-Truppe. Die einst anregenden Gitarrenschlachten und der außergewöhnliche, glasklare Folk-Rock-Sound liefen häufig ins Leere, die einst Aufsehen erregende Rockmotorik verlor ihren Reiz. Kein Wunder, dass ab den späten 1970ern die Plattenverkäufe rapide rückläufig waren.

Dennoch, Andy Powell ist sich der unglücklichen Entwicklungshistorie "seiner" Band zwar bewusst, hat Wishbone Ash aber dennoch stets die Treue gehalten. "Wir haben ein paar Jahre lang Geschichte geschrieben", verkündet er stolz, "wir haben in Großbritannien zusammen mit Bands wie Yes, Genesis, King Crimson oder Pink Floyd die bis dahin existierenden Konstanten Blues, Jazz und Beat um jede Menge Einflüsse erweitert - um Psychedelic, Klassik, Folk oder Rock. Wegen dieser Pioniertaten haben wir nach wie vor eine treue Fangemeinde auf der ganzen Welt. So etwas gibt man nicht auf, das ist ein Lebenswerk!"

Denn das Grundprinzip der Band, so Powell im Gespräch anno 2009, "existiert ja bis heute! Ted Turner folgten einige Gitarristen an meiner Seite nach, ihnen gemeinsam ist, dass sie mich durch die Bank gefordert und zu Höchstleistungen getrieben haben. Dieser Umstand ist natürlich großartig für die Dynamik einer Gruppe, er hält mich jung! Außerdem habe ich vier Dekaden Wishbone Ash im Nacken, in denen ich jeden einzelnen Tag mit Üben auf meinem Instrument verbrachte. Alleine schon deshalb klingt der Sound unserer Formation heutzutage komplexer und kompakter als in den Gründerjahren, es gibt eine permanente Entwicklung. Dass Wishbone Ash weiterhin relevant sind, merke ich ebenfalls daran, dass zu unseren Konzerten verstärkt jüngeres Publikum kommt. Womit bewiesen ist: Wir waren mal Revoluzzer, heutzutage sind wir konkurrenzlos jenseits von Zeit und Raum. Eine Erkenntnis, die mich verdammt glücklich stimmt!"