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Tosca:
No Hassle

Out 14.04.2009
99999/Alive

Rhythmus, aber leise
By Michael Fuchs-Gamböck

Da soll noch einer sagen, dass elektronische Musik keine Seele besitzt, keine Wärme ausstrahlt! Das österreichische Duo Tosca jedenfalls beweist auf seinem aktuellen fünften Studioalbum "No Hassle", dass man den stressgeplagten modernen Hörer - wenn er sich denn eine Stunde Lebenszeit abzwacken will - durchaus auf eine entspannte, traumselige elektronische Reise mitnehmen kann. Klar ist dieser Trip gelassen, sagt ja schon der Titel der Scheibe aus, "No Hassle" bedeutet schließlich so viel wie: "Kein Stress". Wenn man darüber hinaus noch weiß, dass die beiden Protagonisten hinter Tosca aus Wien stammen, ist wie selbstverständlich gewährleistet, dass hier dem unspektakulären und gerade daher einschmeichelnden Downbeat gnadenlos gefrönt wird. Wien ist schließlich das Mekka für lässige Morbidität.

Tosca, dahinter stecken die weit über Österreichs Grenzen hinaus bekannten Richard Dorfmeister und Rupert Huber, DJ's, Multiinstrumentalisten und passionierte Klangtüftler. Die Hauptkoordinaten ihres sehr eigenen musikalischen Mikrokosmos sind Ambient und Dub, dazu gesellen sich kräftige Prisen frühe Kraftwerk, Jean-Michel Jarre, verspulter Krautrock, sowie Bouzouki-Klänge, Conga-Samples, altehrwürdige analoge Moog Synthesizer-Klänge plus jede Menge Überraschendes mehr. "Alles im Dienste unseres ureigenen Sound-Abenteuers", sagt Rupert Huber, nicht völlig ernst gemeint. "Jedes unserer Stücke hat die Pflicht, das man sich dazu bewegen kann - wenn oft auch nur im Hirn. Wir liefern puren Rhythmus ab, den aber leise. Das ist unser Konzept."

Huber und Dorfmeister, beide 41, kennen sich seit 30 Jahren, also seitdem sie eine gemeinsame Schulbank in Wien gedrückt haben. "Diese lange Freundschaft kommt unserer Musik extrem zugute", meint Huber. "Richard und ich, wir treffen uns alle paar Wochen mal für ein oder zwei Tage im Studio, bestückt mit vagen Ideen im Kopf, wir spielen ohne Worte drauf los, der Andere steigt ins Geschehen ein, ab dann wird solange improvisiert, bis etwas für uns Interessantes heraus kommt. Jede unserer Kompositionen besitzt eine Magie, die sich so nur zwischen uns zweien entfalten kann. Wir haben zwar unsere eigenen Familien und Freundeskreise, doch wenn wir zusammen kommen, um Kunst zu schaffen, bleibt unser Alltag und der Rest der Welt außen vor, weil ansonsten nichts Spannendes entstehen kann."

Das Jahr 2009 steht für Tosca musikalisch ganz im Zeichen der Introspektion und Kontemplation. "Wir erzeugen Klänge", analysiert Rupert, "aus einem inneren Drang heraus. Während wir an einer CD arbeiten, haben profane Dinge wie Wirtschaftskrise oder Umweltzerstörung keinen Platz in unserem Denken. Wenn wir solche tieftraurigen Themen im Studio zulassen würden, wären wir dermaßen gelähmt, dass wir nichts Kreatives erzeugen könnten. Kunst in der heutigen Zeit, die hat immer auch mit Flucht vor der schnöden Realität zu tun. Insofern ist unser Zeug ein Soundtrack zur Fluchthilfe. So eine Definition sehen wir nicht als Vorwurf, mit der können wir prima leben. Wer heutzutage nicht untergehen will, macht sich schon mal mit Hilfe von Musik aus dem Staub."

 
photos © M. Roessle