Phoenix:
Wolfgang Amadeus Phoenix
out 22.05.2009
Cooperative
Vor nicht all zu langer Zeit waren sie noch eine Garagenband aus einem kleinen Pariser Vorort. Aber ihre Vorliebe für englischsprachige Musik und ihr Eigensinn machten Phoenix zum Geheimtyp der Indie-Szene. Inzwischen sind sie wirkliche Stars, nicht nur in der französischen Pop-Kultur. Deck D’Arcy erzählt uns von der langen Reise einer Band mit vielen Idealen.
Wie kam es zum Titel Ihres neuen Albums „Wolfgang Amadeus Phoenix“?
Deck D’Arcy: Der Titel entstand aus einer chaotischen Situation heraus, aus einer kindischen Idee. Uns viel der Name ein und wir fanden, dass er ausgesprochen groß und großartig klang, dass wir nicht widerstehen konnten, unser Album so zu nennen.
Hören Sie denn tatsächlich Mozart oder kommt das davon, dass Sie im Film “Marie Antoinette” als Hofkapelle mitspielten?
Deck: Natürlich hören wir uns Mozart und auch andere Klassik an. Wir sind fasziniert von dieser Musik und lassen uns sogar inspirieren. Aber wir machen musikalisch natürlich etwas was ganz anders. Im Film “Marie Antoinette” haben wir nur so zum Spaß mitgespielt. Wie Sie sicher wissen, haben wir ganz gute Beziehungen zur Regisseurin (Sophia Coppola ist mit Sänger Thomas Mars liiert. Die beiden haben ein Kind zusammen).
Der erste Song vom Album „Lisztomania“ ist angelehnt an den ungarischen Komponisten Franz Liszt. Stimmt das?
Deck: Das Lied ist nicht über Liszt. Es geht darum, was er zu seiner Zeit repräsentiert hat. Er war der erste Rock Star, der seine Hörerschaft auf die Palme und in den Wahnsinn trieb. Wir mögen Liszt, aber das hat nichts mit seiner Musik oder unserem Song zu tun.
Sie sind befreundet seit Sie Kinder sind und spielen schon sehr lange in ein und derselben Band. Hat Ihre Freundschaft darunter gelitten?
Deck: Wir sind alle in Versailles geboren, aufgewachsen und zusammen zur Schule gegangen. Und wir haben uns weiterentwickelt. Dies ist unser viertes Album und alles fühlt sich neu und frisch an. Wir haben einen neuen Vertrag mit einer neuen Plattenfirma. Diesmal kümmern wir uns um alles selber. Es ist fast so, als ob wir alles zum ersten Mal machen. Vorher waren wir wegen unserer Plattenfirma oft ziemlich angepisst, weil etwas nicht so passierte, wie wir uns das vorstellten. Jetzt liegt alles an uns! Alles ist plötzlich wieder so aufregend!
Einer Ihrer neuen Songs, "1901“ bezieht sich auf die damalige „Expo Paris“. Thomas ist der Ansicht, dass dieses Ereignis ein bahn-brechender, futuristischer Moment für Paris gewesen sei. Können Sie mir mehr davon erzählen?
Deck: Die Expo, die Exposition Universelle Internationale, war tatsächlich ein historisches Ereignis für die Stadt Paris. Sie fand in der Zeit der Industrialisierung statt, die viele neue Dinge hervorbrachte und das Leben der Menschen veränderte. Diese Ausstellung war zukunftsweisend. Wir kommen aus Paris und betrachten es als unsere Stadt. Unser neues Album klingt ebenfalls futuristisch und so passte beides symbolisch ganz gut zusammen, wie wir finden.
Sie haben dieses Album teils in New York City aufgenommen. Wie hat es Ihnen in dort gefallen?
Deck: Wir waren schon oft in New York weil wir diese Stadt sehr mögen. Der dortige Aufenthalt hat sich auf unser neues Album gewissermaßen ausgewirkt und es geformt. Dabei ist allerdings nicht mehr sehr viel von dem übrig ist, was wir dort produziert haben. Wir hatten dort angefangen an den Songs zu schreiben. Um kreativ zu sein und uns zu entfalten, hat uns unser Hotel nicht die geeignete Atmosphäre geboten. Erst als wir zurück in Paris waren, arbeiteten wir die Songs aus. Doch wir haben dort ein interessantes Konzert mit Robotik Musik gesehen. Nahe der Wallstreet haben Künstler an einem außergewöhnlichen Ort eine Art Konzert-Location aufgebaut. Dort spielten Roboter auf richtigen Instrumenten. Auf unserem Album ist deren Einfluss tatsächlich zu hören. Es ist eine gelungene Mischung aus Exaltiertheit und kontrollierter Performance.
Sie sind befreundet mit Daft Punk und Cassius, arbeiten auch mal mit AIR zusammen. Ist die Musikszene in Paris so überschaubar klein?
Deck: In gewisser Weise ist das tatsächlich so. Aber auch wenn wir mit zum Beispiel mit AIR gespielt haben, so machen wir ganz andere Musik als sie. Wir sind mit ähnlicher Musik aufgewachsen und haben einen ähnlichen Musikgeschmack. Wir wollen auf beiden Seiten etwas Außergewöhnliches und von allen anderen Musikrichtungen losgelöstes machen, ohne Kompromisse. Wir haben nie darüber nachgedacht, in welche Schublade wir gehören. Auch gibt es keine wirkliche konkrete Szene in Frankreich.
AIR machten den Soundtrack zu Sophia Coppolas Regiedebütfilm “The Virgins Suicides”. Waren Sie eifersüchtig, zumal Sie durch Thomas viel enger mit ihr verbunden sind?
Deck: Oh ja! Wir waren ziemlich eifersüchtig! Aber später hat sie auch einen Song von uns in einem ihrer Filme verwendet und wir haben etwas extra für einen ihrer Filme Lieder komponiert. Als wir an unserem neuen Album arbeiteten, hatten wir ein bisschen das Gefühl einen Filmsoundtrack zu machen. Sophia und wir kennen uns so gut, dass es inzwischen selbstverständlich ist, für sie etwas zu tun. Meistens sind wir jedoch mit Phoenix so sehr beschäftigt, dass wir ohnehin keine Zeit haben.
Wieso ist die Musik von Phoenix auf English?
Deck: Wir haben schon im Alter von 12 Jahren zusammen Musik gemacht! Damals fanden wir französische Chansons langweilig und uncool. Wir hörten vor allem englische Musik und wollten wie unsere Helden Iggy Pop und Lou Reed klingen. Wir haben niemals darüber nachgedacht in einer anderen Sprache als Englisch zu singen. Es war für uns selbstverständlich. Erst kürzlich überlegten wir doch mal auf Französisch zu singen, weil es wirklich cool klingen kann. Doch englisch zu texten und zu singen ist viel einfacher.
Was halten Sie heutzutage für eine Band wichtiger, eine coole Website oder die Life-Auftritte und die nähe zum Publikum?
Deck: Offensichtlich sind das Radio und das Fernsehen nicht der Schlüssel zum Erfolg. Das war vielleicht vor 10 oder 15 Jahren so. Heute ist alles möglich und alles drin. Das Internet ist vermutlich genauso wichtig wie die Life-Performance.
Was würden Sie einem jungen, unbekannten Künstler für einen Rat geben?
Deck: Das wichtigsten ist vermutlich keine Kompromisse einzugehen und immer das zu machen, was einem wirklich wichtig ist und was einem am Herzen liegt! Genau das wünschen wir uns auch für unsere Zukunft. Vielleicht machen wir doch bald einen Filmsoundtrack?
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