Mumford & Son
Wo das Banjo rockt
von Michael Fuchs-Gamböck
Man ist regelrecht geplättet, wie souverän diesem jungen Mann Anfang 20 die Namen von anachronistischen Formationen wie etwa Fairport Convention, Pentangle oder Steeleye Span von den Lippen gehen, wenn man ihn nach seinen Vorbildern fragt - allesamt Bands immerhin, die ihre Glanzzeiten in den späten 60ern und frühen 70ern hatten. Doch wenn man sich die Musik der Band dieses Twens, Mumford & Sons, auf deren Debütalbum "Sigh No More" anhört, wird einem diese Idol-Liste rasch klar.
Tatsächlich steht die Truppe um Gründer, Sänger und Multiinstrumentalist Marcus Mumford knietief in der Tradition britischer Folk-Pioniere, in all ihrer Melancholie und Mystik. Wobei: Auch die Songs eher knarziger, bodenständiger US-Altmeister wie The Band oder Crosby, Stills, Nash & Young dürfte das Londoner Quartett gehört und stark beeindruckt haben. 
Mumford selbst will mit seiner Combo allerdings nicht rettungslos in der Anachronisten-Ecke verstauben: "Es existiert", sagt er, "seit kurzer Zeit eine Szene junger Künstler wie die Fleet Foxes, Arcade Fire oder Noah & The Whale, die sich perfekten Harmonien verschrieben haben und die mit Computern absolut nichts anfangen können, ohne deshalb altmodisch zu klingen. In dieser sehr jungen Tradition sehen wir uns auch."
Spannend bei Mumford & Sons ist, dass neben der üblichen Rock-Instrumentierung aus Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboards gerne auch in diesem Metier eher ungewöhnliche Gerätschaften wie Dobro, Tambourin oder Banjo zum Einsatz kommen - meistens ganz hübsch fetzig. "Wobei es durchaus mal kracht in unseren Songs", meint Mumford, "doch die Grundstimmung ist eher Moll. Ich bin zwar alles andere als ein Melancholiker, doch wenn ich komponiere, liebe ich es, ins große Drama einzutauchen. Meine literarischen Vorbilder etwa sind John Steinbeck und William Shakespeare." Außerdem: "Wir Vier in der Band sind ein ziemlich sensibler Haufen. Wir sprechen lange und gerne über unsere Gefühle, ehe wir neue Stücke einspielen. Nenn uns ruhig eine Psychotherapie-Gruppe", feixt Marcus.
Fakt ist: Mumford & Sons sind ein weiteres Mosaiksteinchen in einer modernen alternativen Musik-Szene, der es bei ihrer Arbeit in erster Linie um Beschaulichkeit und Zeitlosigkeit geht, ohne dabei belanglos oder gar langweilig rüber zukommen. "Wir haben Respekt vor alten Meistern wie Johnny Cash oder der Incredible String Band", beschwört Marcus Mumford, "und wenn wir unseren Beitrag dazu leisten können, dass deren Herangehensweise an die Musik für die junge Generation erhalten bleibt - dann haben wir unseren Hauptanspruch schon erfüllt. Wir suhlen uns in der Tat zwischen Tradition und Zukunft."
Album: Sigh No More
VÖ 23.10.2009
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