Gas, das sich bei Abkühlung in flüssige Musik mit Gesang verwandelt hat. Nicht irgendeine Flüssigkeit. Sie tropft von irgendwoher, und schimmert und funkelt und duftet nach Früchten.
Du streckst die Zunge raus, so weit wie es nur geht, und hoffst, einen Tropfen zu erwischen. Das ist nur Glück, denkst du,als du merkst, dass der Saft direkt auf deiner Zungenspitze gelandet ist. Dann schmeckst du einen Kondens-Song, aus musikalischem Nektar gemacht. Es beginnt ein zweites Stück. Du sagst dir, dass man ja nie wissen kann. Kess streckst du die Zunge nochmal raus und es passiert schon wieder: Alles, was gut tut, landet genau dort, wo es hin muss. Nun weißt du, dass du nicht nur Glück hast, sondern „Torres Vol.01“ hörst, die neue Platte von Stankowski.
Darauf singt er von allem, wirklich allem, was dich betrifft. Von berauschten Träumen und von Tränen im Kissen. Davon, im Regen zu stehen und nichts daran ändern zu können. Von Vorwürfen, die man sich nur selber machen kann. Von dem geraden Weg, von dem du dich so furchtbar oft und so erstaunlich gern ablenken lässt. Von den Erinnerungen, die an deine Tür klopfen und so viel anrichten. Von deinem Herz, das öffnet, und nichts mehr wie vorher sein lässt. Von dem Gefühl, dass, egal, was du sagst, es dir doch keiner glaubt. Von der Zeit, die so langsam und so sicher knapp wird. Von der Vergangenheit, die die Gegenwart in Form von Songs erreicht. Von dem Leben, das dich so erschöpft. Und das stärker ist als du. Davon singt Johannes Stankowski. In Englisch. Seine Songs machen deine edelsten Gefühle an.
Das wollen viele, und es schaffen nur wenige. Aber Stankowski gelingt auf „Torres Vol.01“ noch mehr. Er findet in zehn gleißend schönen Liedern einen Ausdruck und einen Klang für zuversichtliche Melancholie. Dafür hat er sich ein bisschen von ausgesuchten Kollegen in Stimmung bringen lassen: Harry Nilsson, Rodgers und Hart, Burt Bacharach, Nick Drake. Und er hat sich einige zauberhafte Musiker ins Studio eingeladen. Die spielen gut gelaunten Bass, verständiges Schlagzeug, zwinkerndes Klavier und aparte Gitarren. Es klingt immer, immer einladend, warm und versiert. Nicht zuletzt liegt das an Tobias Levin, der für seine hingebungsvolle Arbeit bekannt ist. Zusammen mit Johannes Stankowski hat er „Torres Vol.01“ milde, entspannt und luftig produziert. Das Ergebnis ist eine Platte, die so schnell nichts von ihrem Reiz verlieren wird. Kondens-Pop. Ein Vergnügen.
Von Kristof Schreuf
Album: Torres Vol.1
Release: 08.04.2011
Haute Areal
offizielle Site
Tracklisting:
1. Out Of Time 3:14
2. Light & Clear 2:54
3. Borrowed Wings 3:17
4. Samurai 2:55
5. Pretty Little Thing 3:38
6. Leave My Heart 3:29
7. Rocky Road 3:07
8. Down Below 3:03
9. We Face The Dark 3:36
10. I Love You 3:11