Interviews Features Gang Gang Dance

Gang Gang DanceDie künstlerische Herangehensweise von Gang Gang Dance und der daraus resultierende Sound werden begreifbar, wenn man sich die Entstehung und die wechselhafte Geschichte dieser Formation, die eher Kunstprojekt als Band ist, vor Augen hält. Angeschossene Bandmitglieder und verbranntes Equipment sind da noch die weniger dramatischen Ereignisse...

Die gemeinsame Biographie beginnt 1996, als Tim DeWit und Brian DeGraw von der Band Cranium aus Washington DC zusammen mit Russia aus Manhattan in einem Kellerclub in Brooklyn spielen. Brian und Tim bleiben nach der Show mit Russias Sängerin Lizzi Bougatsos in Kontakt und nachdem sich Cranium 1997 endgültig auflösen, gehen beide zusammen nach New York. Der Kontakt zu Lizzi, die sich auch als Spoken Word Artist einen Namen gemacht hat, wird enger und man beschließt, gemeinsam Musik zu machen.

Gang Gang DanceNachdem die Band so bereits einige Zeit als loses Kollektiv existiert, ist Halloween 2001 der eigentliche Geburtstag von Gang Gang Dance. Colin de Land, Besitzer der American Fine Arts Gallery, bittet die ihm freundschaftlich verbundenen Musiker, bei einer Tribut-Show zu spielen, auf der Songs seiner im Jahr zuvor verstorbenen Frau, der bedeutenden Kunsthändlerin Pat Hearn performt werden sollen. Der eindrucksvolle Auftritt führt zu dem Entschluss, Gang Gang Dance zu einer festen Institution im Leben der Bandmitglieder werden zu lassen. Sänger Nathan Maddox und Josh Diamond, ein Veranstalter von Improvisations-Shows, komplettieren das Line-Up.

Von Beginn an bleibt es ein grundlegendes Prinzip der Band, weite Teile ihrer Shows und Aufnahmen frei zu spielen. Gerade die unberechenbaren Live-Shows machen die Band schnell im New Yorker Underground bekannt. 2002 erscheint ihr Debütalbum, dessen Release Nathan Haddox nicht mehr miterleben wird. Im Frühjahr desselben Jahres wird er auf dem Dach seines Appartements vom Blitz getroffen, nachdem er sich „wie üblich dem Himmel dargeboten hatte“ (Brian DeGraw) und stirbt. Betroffen von diesem Ereignis versprechen sich die übrigen Bandmitglieder, Nathan in ihrer Musik weiterleben zu lassen. Seither ist seine Stimme auf jedem Release der Band zu hören.


Mit dem Nachfolger “God’s Money” definieren Gang Gang Dance ihren Sound aus. Exotische Tonleitern, Einflüsse aus Dub, Grime und Noise sowie Lizzi Bougatsos eigenwilliger Gesangsstil sind seither unverkennbare Merkmale des intellektuell und emotional fordernden Sounds der Band. Weiteren Alben und EPs folgen unter anderem auf Warp, und die Formation baut ihren avantgardistischen Ruf und ihre Bekanntheit international aus. Zum Teil verbindet sie ihren extravaganten Klangkosmos mit etwas, das man annähernd Popmusik nennen könnte. Gang Gang Dance haben mittlerweile auch prominente Bewunderer in der Musikszene gewonnen. Florence Welch (Florence and The Machine) etwa zitiert den Sound der Band auf ‚Raise it Up’ sehr ausführlich und gibt dafür später Teile ihrer Einnahmen an die Band weiter. "It's no secret. I've spoken about it in interviews before. I'm a massive fan of Gang Gang Dance and it was in homage to them." Im Mai 2011 wird die Band auf Einladung von Animal Collective beim All Tomorrow Parties Festival spielen.

Im selben Monat erscheint nun endlich auch ihr neues, fünftes Album „Eye Contact“. Wieder entwerfen Gang Gang Dance einen Sound, der ihr bisheriges Spektrum erweitert. Treibender als zuvor gestaltet der neue Schlagzeuger Jesse Lee, der den ausgestiegenen Tim DeWit ersetzt, den polyrhythmischen Unterbau der neuen Stücke, und Lizzi Bougatsos graziler Gesang fügt sich nahtlos in den akribisch ausproduzierten Entwurf ihrer enigmatischen Klangsphären ein. Gang Gang Dance sind ein Ereignis.


Gang Gang DanceAlbum: Eye Contact
Release: 13.05.2011
4AD / Beggars Group / Indigo

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