
10 Jahre ART BRUT!
und nun das "best of" Doppelalbum
und eine Tour im Mai!
Eddie Argos im Interview
MALA & MAD - helfen mit Ideen und Engagement
Foto: Cata Pirata von SKIP & DIE (interview)
You are listening to New York City!
also Los Angeles, San Francisco, Montreal, Chicago (photo: zensan)
Aus den 90ern übrig gebliebene Rock-Punk-Pop-Band? Ganz und gar nicht! Nada Surf erfreuen sich größter Beliebtheit, ohne Kult, aber mit Kultstatus. Herr Caws, Kopf und Sänger der Band, erzählt uns, wie es ihnen in all den Jahren erging.
Vielen Bands der 90er sind weg vom Fenster. Bist Du stolz darauf, dass Nada Surf immer noch erfolgreich sind?
Auf jeden Fall! Schon damals war ich erstaunt, als ich zum ersten Mal auf einer Bühne stand, in einer Band war, als wir unsere ersten Platten machten und nun bin ich überwältigt, dass aus dem Ganzen eine richtige Kariere wurde! Ich bin sehr stolz.
Wann war Euere beste und wann Euere schwierigste Zeit?
Als wir 1998 an unserem zweiten Album „The Proximity Effect“ arbeiteten, wurde es von der Plattenfirma nur in Europa, nicht aber in den Vereinigten Staaten veröffentlicht. Wir haben über zwei Jahre lang gekämpft. Schließlich brachten wir das Album selbst heraus. Ein Segen für uns war, dass wir dadurch Zeit hatten, uns neu zu erfinden. Unser drittes Album “Let Go” fühlte sich wie unser erstes an. Die beste Zeit jedoch haben wir im Moment!
In den 90ern boomten NuJazz und Drum'n Bass. Wie habt Ihr Euch behauptet?
Alle paar Jahre heißt es, Gitarrenmusik ist vergessen und vorbei. Heutzutage existieren all die verschiedenen Genres ganz friedlich nebeneinander. Oft höre ich: früher war die Musik viel besser! Mein Gefühl sagt mir, es gibt immer gute Musik und gute Bands. Nur heute muss man intensiver danach suchen. Wir werden erst in ein paar Jahren erkenne, was es bedeutet, sich hinzusetzten und die ganze Welt unter seinen Fingern zu haben. Alles liegt direkt vor Dir!
Und was hörst Du?
Ich mag alle Genres, sowohl Hip Hop als auch barocke klassische Musik, Country und Rock Crossover, alte Country Musik, wie The Louven Brothers, die The Everly Brothers beeinflusst haben. Die wiederum haben die Beatles beeinflusst. The Louven Brothers, zwei Brüder, sind die Wurzeln aller Harmonien. The Everly Brothers nahmen deren Musik und gaben eine Schuss Popmusik dazu. Fantastisch!
Sind diese Künstler Deine Ideengeber?
Mir geht es eher darum, Musik zu finden, mit der ich mich identifizieren kann und die mich in einen ekstatischen Zustand versetzt. Das ist der Einfluss, das ist was wir auch in unserer eigenen Musik suchen. Jeder der Musik macht, will ein bestimmtes Gefühl transportieren. Technisch gesehen gucke ich mir schon mal eine Akkord ab oder lass mich zu einem Hip Hop Beat hinreißen, der mich angemacht hat. Ideen sind überall!
Hat Dich Musik je gelangweilt?
Nur, wenn ich für eine längere Weile nichts gemacht habe. Das deprimiert mich. Meist komme ich schnell darauf, dass ich wieder mal einen Song schreiben sollte. Aber ja, es ist auch nicht mehr so einfach sich für Musik zu begeistern. Über die Jahre habe ich so viel gehört und gesehen, dass mich Rock n' Roll nicht mehr automatisch umhaut. Das macht es umso aufregender, wenn ich etwas entdecke, das mich richtig mitreißt. Ich erinnere mich an ein Jonathan Richman Konzert in New York. Er war nur mit einer E-Gitarre und einem Schlagzeuger ohne Mikrophone auf der Bühne. Das war eine unglaubliche Show. Am Ende spielten sie fünf Minuten lang die Akkorde von „Louis Louis“ - das war wie Hypnose – umwerfend!
Ist es schwer sich immer wieder neu zu erfinden?
Das ist tatsächlich schwierig! Aber die Möglichkeiten sind heute nahezu unbegrenzt.
Dabei bist Du aus New York, wo die Musikszene brodelt!
Oh ja. In New York aufzuwachsen ist aus musikalischer Sicht großartig. Mein erstes Konzerterlebnis waren Simon & Garfunkle 1980 im Central Park! Mein ganzes Leben lang habe ich unglaubliche Konzerte besucht.
Dieses Album habt Ihr mit Chris Shaw produziert, der schon mit Wilco und Elvis Perkins gearbeitet hat. Arbeitest Du denn auch mit anderen Musikern?
Nicht wirklich. Zwar habe ich bei den ein oder anderen auf dem Album gesungen, aber das war's dann schon auch. Dabei träume ich davon, eine Band mit allen meinen Lieblingsmusikern zu gründen, ein einmaliges Ding für nur ein Album. Das würde mir gefallen.
Einige Nada Surf Songs tauchten in TV-Serien wie „How I met your mother“ auf. Kannst Du Dir vorstellen nur noch Filmsongs zu schreiben?
Nein, auf keinen Fall. Ich mag Platten. Auch wenn in den letzten Jahren immer wieder über deren Tod diskutiert wurde und ein Trend hin zu einzelnen Lieder stattgefunden haben soll. Ich nehme das zwar wahr, aber es ist mir egal. Ich mag Platten, ich mag Filme, die eineinhalb bis zwei Stunden dauern, ich mag Dinge, die sich ganz und richtig anfühlen.
Meinst Du mit Platten Vinyl?
Ja, ich kaufe immer noch Schallplatten. Das Beste ist, dass die Platten oft eine Download-Karte als Extra dabei haben. Das ist doch wunderbar!
Ihr habt das Album in Daniel's Loft namens “SITCOM” aufgenommen. Als SITCOM bezeichnet man eine eher schlechte TV-Serie. Warum heißt das Loft so?
Dort wechseln laufend die Bewohner, wie in so einer Fernsehserie. Das Loft existiert seit an die 20 Jahre. Es ist groß und billig und war lange Zeit das Zuhause der Band. Noch heute nutzen wir es zum Proben, vor allem bevor wir auf Tour gehen. Daniel ist ein wunderbarer Gastgeber und toller Koch. Wann immer er da ist, gibt es Dinner-Partys. Leute, die wir gar nicht kennen, kommen und gehen. Es ist einfach ein lustiger Ort.
Warum bist Du nach Cambridge, England ausgewandert?
Ich wollte meinem Sohn näher sein, der dort lebt.
Ist es denn hart für Dich so weit weg vom pulsierenden New York zu sein?
Das sind die ersten Interviews, seit ich in Cambridge wohne. Vielleicht sollte ich gar nicht sagen, dass mein Sohn der Grund ist - Aber ja, es ist hart. Ich genieße zwar die Ruhe in Cambridge, zumal ich dort kaum Leute kenne. Und es ist heilsam um Songs zu schreiben. In NY musste ich oft Einladungen absagen, um Zeit und Ruhe zu finden. Andererseits bin ich nur 45 Minuten von London entfernt und auch dort gibt es gute Gig zu sehen.
Wie denkst Du über die momentane Krise in den USA?
Die Situation ist traurig, denn die Leute, die jahrelang viel Geld verdient haben und geringer besteuert worden sind, wollen nach wie vor nicht helfen. Die Nachrichten sind voll mit falschen Informationen. Jeder kann das finden, wonach ihm gerade ist. Das ist einfach nicht richtig.
Welche Zeitung liest Du, welchem Fernsehsender traust Du?
Ich lese die NY Times. Beim Fernsehen switche ich herum und schau auch mal ganz konservative Nachrichten, um die Meinungstendenzen zu erfahren (Do you know the expression „Drinking the kool-aid“?) und was die Leute bewegt. Die Besetzung der Wallstreet ist sehr interessant und ich bin gespannt, wie Präsident Obama damit umgeht.
Heute morgen wurde damit begonnen die Leute zu entfernen...
Ich habe davon gehört. Unser Drummer hat erzählt, dass der Bürgermeister von New York gesagt hätte, sie wollen nur aufräumen und alle Leute könnten zurückkommen.
Denkst Du, dass Obama wieder gewählt wird?
Ich denke, er wird gewinnen. Auf alle fälle hoffe ich das sehr. Und in seiner zweiten Amtszeit wird er wesentlich aggressiver sein...
Da Du nun in Europa lebst, was ist besser?
Ganz simple Dinge wie zum Beispiel die Krankenversicherung, die in Englands staatlich und kostenlos ist.
Hast Du nicht mit Deinen Eltern in Frankreich gewohnt?
Ja, meine Eltern sind Professoren und nahmen sich Sebbatical Year. Wir lebten in Paris als ich fünf und zwölf war. Dann kauften sie 1993 für nur 2000 Dollar ein Haus in Südfrankreich, das kein fließend Wasser hatte und nur eine Glühbirne. In diesem Haus verbrachten wir viele Sommer, um es zu renovieren.
Auf dem neuen Album gibt es den Song “Jules and Jim”. Liest Du französische Nouvell Vague Klassiker?
Nicht wirklich. Der Song wurde mehr durch den Film inspiriert. Ich habe viele solche Filme gesehen. „Jules et Jim“ hat mich sehr berührt, denn es ist schon spannend, wie man die Situation vom Gegenüber zwar verstehen kann, aber trotzdem nicht damit klarkommt.
Gibt es andere Filme, die Dich inspiriert haben?
Ich liebe „Walkabout“ (Der Traum vom Leben) von Nicolas Roeg – ein wundervoller Film. Ein Mann geht ins Outback und macht ein Picknick mit seinen Kindern. Als er sie erschießen will, erschießt er sich selbst. Die Schwester, die älter ist als der kleine Junge, versucht ihn davor zu bewahren, ansehen zu müssen, was der Vater getan hat. Sie fangen dann einfach an zu laufen und begegnen einem Aborigine Jungen, der sich auf seinem 'walkabout' befindet, was ein Ritual ist, wenn man 13 oder 14 wird. Man geht einen Monat lang in die Wildnis. Die Kinder schließen sich ihm an und – natürlich verliebt sich das Mädchen in den Jungen... Ich mag Terrence Malick und seinen Film, der in der 'magic hour', in der Dämmerung gedreht wurde, und dann mag ich noch jede Menge Französische Klassiker wie „The 400 Blows“ (Sie küssten und sie schlugen ihn), den Film liebe ich sehr!
Du magst also eher romantische, emotionale Klassiker als die üblichen Action Hollywood Gassenhauer?
Sieht fast so aus. (lacht) Und ich mag Dokumentationen.
Die Filmindustrie hat sich ja sehr verändert. Was denkst Du über die dramatischen Änderungen der Musikindustrie?
Ich kann nicht sagen, dass es besser oder schlechter geworden ist. Doch ich beobachte, denn ich lebe ja damit. Heute kann jeder ein Album aufnehmen. Dadurch gibt es 18 Millionen Bands. Life zu spielen ist viel aufwendiger geworden, weil man bis zu sechst Monate vor einer Tour die Location buchen muss. Selbst an einem Dienstag Abend in einer kleinen Stadt gibt es unzählige Konzert, zu denen die Leute gehen können. Das Gute an den vielen Möglichkeit ist, dass Menschen kreativ und aktiv werden.
Wodurch kann sich heutzutage eine Band auszeichnen, durch Gigs, Radio-plays oder die Internet-Präsenz?
Ich dachte mal, am wichtigsten ist es, gute Platten zu machen; drei Jahre lang verschwinden und ein unglaubliches Album aufkochen. Inzwischen denke ich, das Life-Erlebnis eines Konzerts ist das, was du dir nicht herunterladen kannst.
Letzte Frage: Was ist das nächste Ziel für NADA SURF?
Unser Drummer hat gerade verkündet, er möchte im Madison Square Garden spielen, doch darüber bin ich mir noch nicht im Klaren. (lacht) Im Moment bin ich auf alle Fälle sehr zufrieden, dass wir dieses Album gemacht haben und nun wollen wir damit auf Tour gehen.
Von Angela Sandweger
Album: The Stars Are Indifferent To Astronomy
Release: 27.01.2012
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